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  3. Wie Heizer zu Chauffeuren aufstiegen
Lesezeit: 2 min

Wie Heizer zu Chauffeuren aufstiegen

Im Frühling 2015 von Dr. Luis Fuchs

Dieser Artikel erschien vor 11 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell

Wegen Geschwindigkeitsüberschreitung wurden dem Chauffeur des Landeshauptmannes fünf Führerscheinpunkte abgezogen. Zum „Fliegen“ begnügt sich der Landeshauptmann mit einem Audi A6, erweist sich die Geschwindigkeit allerdings als gefährlich, wird der „Auto-Pilot“ abgestraft. In früheren Zeiten konnte ein Chauffeur gar nie zum Temposünder werden, denn der ursprünglich französische „chauffeur“ war nichts anderes als ein „Heizer“, der den Ofen einer Lokomotive befeuerte. Im Laufe der technischen Entwicklung stieg der Lokführer zum Kraftfahrer auf. Die Bezeichnung „Chauffeur“ lässt sich auf das lateinische „calefacere“ zurückführen, was so viel wie „erwärmen“, „heizen“ bedeutete. Auf dem Prinzip der Verbrennung beruhen genau genommen auch in unserer Zeit die Otto- und Dieselmotoren.

Nicht wenige Berufe haben im Laufe der Zeit einen Bedeutungswandel erfahren, sie haben eine zweite oder übergeordnete Bedeutung angenommen, wobei der ursprüngliche Bezug vielfach in Vergessenheit geraten ist. Ein Drahtzieher war im Mittelalter ganz einfach ein „Drahthersteller“, er zog eben Drähte aus Kupfer oder Eisen. Im Marionettentheater steuert der Drahtzieher, unsichtbar für die Zuschauer, die Figuren an Drähten. Geheime Lenker politischer Aktionen werden heutzutage als Drahtzieher bezeichnet, sie planen im Hintergrund und schieben andere zur Ausführung ihrer Ziele vor, selbst aber wollen sie unerkannt bleiben. So hätten die Herren von der Athesia, einer Vermutung der Neuen Südtiroler Tageszeitung zufolge, die Drähte gezogen, als einige namhafte Altmandatare gegen die Autonomiepolitik der Landesregierung zu Felde zogen.

Als Pillendreher bezeichnet man scherzhaft den Apotheker. Aber auch eine Käferart, der Skarabäus, ist uns als Pillendreher bekannt. Der Käfer formt aus dem Kot pflanzenfressender Säugetiere Kugeln, die ihm zur Eiablage dienen. In der ägyptischen Mythologie wurde er als heiliges Urwesen verehrt, heute noch dient er als Amulett-Motiv und ist als Glücksbringer beliebt.

Die Bürstenbinder genossen dazumal nicht gerade hohes Ansehen. Bereits Abraham a Sancta Clara bediente sich der Redensart: „Saufen wie die Bürstenbinder“. Allerdings wurden die Bürstenbinder zu Unrecht als Säufer abgestempelt, denn „bürsten“ bedeutete ehemals auch „trinken“.

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Ausgabe 7/2015
Meraner Stadtanzeiger 7/2015
Thu, 02. Apr 2015

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