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  3. Ostern beginnt mit einem Schock
Lesezeit: 2 min

Ostern beginnt mit einem Schock

Im Frühling 2010 von Werner Axmann

Dieser Artikel erschien vor 16 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell

Ostern beginnt nicht mit einem Osterei oder dem Osterhasen. Auch nicht mit einem Alleluja. Ostern beginnt mit einem Schock.

"Schleunigst machten sie, dass sie von der Grabstätte wegkamen, denn sie flatterten vor Angst und Entsetzen. Und zu niemandem sagten sie auch nur einen Ton; denn sie waren voller Furcht", erzählt das Evangelium von den drei Frauen. Die waren frühmorgens zur Grabkammer aufgebrochen, einzig und allein darum besorgt, ihrem geliebten Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Die Frauen sind entsetzt, weil sie - die völlig Ahnungslosen - plötzlich-erfahren:-"Ihr sucht Jesus, den Nazarener, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden. Er ist nicht hier."

Dieses Ereignis zerfetzt förmlich ihre kurzsichtige Alltagswelt. In ihnen sieht es aus wie nach einem überraschenden Einbruch. Nichts ist mehr, wie es vorher war. Tot ist nicht tot. Entsetzt sind sie, die sich mit dem Tod abgefunden hatten, als Gott in ihr Leben einbricht und sie mit zitternden Knien erkennen müssen: Gott ist ganz anders. Er hat ungeahnte Möglichkeiten über den Tod hinaus. Auch Leben ist ganz anders. „Es gibt ein Leben - vor dem Tod" sagt, glaube ich, der Liedermacher Wolf Biermann. Natürlich. Keine Frage. Doch dieses Leben vor dem Tod hat jetzt beunruhigend neue Maßstäbe bekommen.

Der gekreuzigte Nazarener ist nicht ein für alle Mal erledigt. Er lebt. Auf eine vollkommen neue, unangreifbare Weise. Und er mischt sich ein. Wir müssen mit ihm rechnen. Gleich, ob wir von ihm beeindruckt sind oder uns an ihm reiben, immer haben wir es mit ihm zu tun. Er kann uns Mut machen oder vor den Kopf stoßen. Er kann nerven und er kann trösten, anregen und aufregen. Er kann den Finger in die offene Wunde legen und er kann unglaublich heilsam wirken. Wir werden uns von ihm verstanden wissen, aber so manches Mal ihn auch nicht verstehen. Nur eines wird er nicht tun: uns in Ruhe lassen.

Er lebt, damit auch wir leben. Wirklich leben. Und nicht in heimlicher Verzweiflung auf unser Grab zutrotten (oder zurasen). Er ist auferweckt worden, heißt, wir haben bei ihm Zukunft.

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Meraner Stadtanzeiger 7/2010
Fri, 09. Apr 2010

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