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Lesezeit: 2 min

Wenn die Spinner unterwegs sind

Im Frühling 2017 von Dr. Luis Fuchs

Dieser Artikel erschien vor 9 Jahren im Meraner Stadtanzeiger und ist unter Umständen nicht mehr ganz aktuell

„Für Menschen und andere Tiere ist das Präparat unschädlich“, informierte uns ein Regionalsender in einem Beitrag über die Bekämpfung der Prozessionsspinner. Die Formulierung wirkt im ersten Moment irritierend, doch genau genommen beziehen sich „andere Tiere“ ja nicht auf die Menschen, sondern auf die gefährlichen Raupen. Eine Vinschger Tierärztin erteilt den Hundebesitzern den Rat, Spazierwege zu meiden, auf denen die Raupen ihre Prozession ziehen; die Gifte der Brennhaare können Ausschläge verursachen und sogar zu lebensbedrohlichen Allergieschocks führen.

Wenn wir bestimmte Zeitgenossen unbedacht als Spinner bezeichnen, kann das dann auch als Beleidigung aufgefasst werden? Es kann durchaus sein. Bekannt ist uns der Fall, wonach der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck die Anhänger der NPD „Spinner“ nannte und sich damit eine Klage beim Bundesverfassungsgericht einholte. Der Sprachwissenschaftler Wolfgang Pfeifer definiert im Etymologischen Wörterbuch den „Spinner“ als einen, der sich „unrealistische, fantastische Dinge ausdenkt“, der „sonderliche Gedanken hat“. „Du wirst doch ein Spinner sein“, sagen wir manchmal zu einem Zeitgenossen, der durch unkonventionelle und originelle Einfälle auffällt, was ihm sogar wohlwollende Zuneigung einbringen kann. „Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat“, befindet Mark Twain nicht ohne Wertschätzung über einfallsreiche Originale.

Das Verb „spinnen“ in der Bedeutung von „aus Fasern Fäden drehen“ taucht bereits im achten Jahrhundert als althochdeutsches „spinnan“ auf. Aber bereits in der griechischen Mythologie begegnen wir der Göttin Klotho, der Spinnerin des Lebensfadens; sie war eine der drei Schicksalsgöttinnen und wurde mit einer Spindel dargestellt. Ebenso spielt in der Märchenwelt die Spindel eine Rolle: Dornröschen sticht sich beim Spinnen mit einer Handspindel in den Finger und fällt dann in einen hundertjährigen Zauberschlaf.

Sein Garn spinnen kennen wir als Redewendung; sie bedeutet soviel wie „eine lange erfundene Geschichte erzählen“. Die Wendung ist auf die Seemannssprache zurückzuführen: Die Matrosen mussten früher in ihren freien Stunden auf See aus aufgelöstem altem Tau und Takelwerk neues Garn wickeln, wobei sie sich von ihren Abenteuern erzählten, nicht ohne gehörig zu übertreiben. Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, sagt man und denkt gleich an drohendes Unheil. Allerdings droht die Gefahr nicht von der Spinne, denn das Sprichwort bezog sich ursprünglich auf die Tätigkeit des Spinnens. Wer gezwungen war, schon morgens zu spinnen, bei dem war Schmalhans Küchenmeister.

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Ausgabe 7/2017
Meraner Stadtanzeiger 7/2017
Thu, 06. Apr 2017

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  • Wenn die Spinner unterwegs sind
  • Der kosmische Ursprung der Zeiteinheiten
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